Dorfchronik

 

Oberstreuer Sagen

1. Die vergrabene Monstranz

Im Schwedenkrieg wüteten Freund und Feind, katholische und protestantische
Truppen, gleich schrecklich unter der armen, wehrlosen Bevölkerung. Leib
und Leben, Hab und Gut waren keinen Tag sicher. Ständig zogen entweder
geschlossene Truppenteile oder marodierende Soldatenhaufen über das Land
und plünderten, töteten, quälten und brandschatzten. Die Oberstreuer
flüchteten oft in den Wald mit Familie und Vieh, bis das Land wieder sauber
war. Die heiligen Gefäße hatten sie beizeiten aus ihren Gotteshäusern gebracht
und irgendwo vergraben. Denn selbst davor hatten die entmenschten Haufen keine
Achtung, sondern entweihten sie auf das schändlichste. Die Monstranz aus unserer
Pfarrkirche hatte der Pfarrer mit seinem Heiligenmeister in der Flurabteilung
"Arnsauge", weit weg vom Dorf vergraben und die Stelle gezeichnet. Als der
entsetzliche Krieg zu Ende war, sollte sie wieder zurückgeholt werden. Aber je
tiefer die Männer gruben, desto stärker wurde der Geruch nach frischem Weizenbrot.
Schließlich kam ein weißes Flecklein von der Größe einer Hostie zum Vorschein.
Die Monstranz aber blieb verschwunden.

2. Der Mönch in der Peterskirche

Im heutigen Garten des Mönchshofes stand die Peterskirche. Sie ist schon 1663 für
baufällig erklärt worden, wurde aber erst 1822 exorciert. dh. sie galt nicht mehr
als Gotteshaus. Längst hatte darin kein Gottesdienst mehr stattgefunden und der
Mönchshofbauer hat das Kirchenschiff und den -boden zum Trocknen seines Getreides
verwendet. Als man fürchten mußte, daß das altersschwache Kirchlein einstürzt,
wurde vom Amt sein Abbruch angeordnet.
Eines Tages nun hat das Stündlein der Peterskirche geschlagen. Die Arbeiter rückten
vom Dorfe her an, um mit der Arbeit zu beginnen. Im Turmfenster sahen sie sie einen
Mann im braunen Mönschhabit stehen, der ihnen mit erhobener Hand warnend zuwinkte.
Er verschwand, kam wieder, winkte und das geschah solange, bis die Männer an der
Kirche angekommen waren. Der Mönch, so sagt die Sage, war mit der Zerstörung seines
Gottesshauses nicht einverstanden.

6. Die Sage vom Blutgraben

Die Schlacht im Jahre 1078 auf dem Grafen- und Scheinberg war am 7.August. Es ging blutig her, wie die Sage erzählt, denn die Waffen sollten entscheiden, wer in Zukunft König von Deutschland sein sollte. Die Kämpfe sollen so mörderisch gewesen sein, daß das Blut von Verwundeten und Toten den Scheinbergsgraben runter in den Schwedenwendsgraben geflossen sein soll. Er heißt heute noch der Blutgraben.
Eine besonders schöne Sage sei hier angeführt, obwohl sie nicht unbedingt oberstreuerisch ist:

7. Die schönste Sage vom Frickenhäuser See

Nahe dem Dorfe Frickenhausen, eine knappe Stunde (zu Fuß) von hier, liegt ein stilles, tiefes Wasser, umgeben von steilen, felsigen Uferwänden, der Frickenhäuser See. Bei düsteren Wetter, wenn kein Licht auf ihn fällt, hat er eine eigenartige Färbung. Unheimlich wirkt er dann auf den Bes hauer. Von ihm, so sagt die Sage wird einstens großes Unheil über das Frankenland kommen.
Eines Tages wird die Turmuhr von Königshofen i.Gr. 300 mal schlagen. Dann werden die riesigen Fische, die auf dem Grunde leben, sich an der Oberfläche versammeln. Mit wuchtigen Schwanzschlägen werden sie wütend und tobend das ganze Felsenbecken des Sees zertrümmern. Der See, der mit dem Weltmeer in Verbindung steht, wird überlaufen und das ganze Frankenland überschwemmen.
(Wer es nicht für möglich hält, daß eine Uhr so viele Stunden auf einmal schlagen kann, dem sei gesagt, daß ich (der Verfasser) am 13.Juni 1967 in Mittelstreu in der Sauna die Turmuhr 137 mal habe schlagen hören.)

8.Die Sage vom schwarzen Hammel

 Auf halben Weg zwischen Oberstreu und Mellrichstadt kreuzte ein Feldweg die Staatsstraße. (Das war der Weg beim ehemaligen Bahnwärterhäuschen Kerber mit Schranken). Von der Streubrücke außerhalb Mellrichstadts bis zu dieser Kreuzung geht in der Geisterstunde eine verwunschene arme Seele in der Gestalt eines schwarzen Hammels um. Eine Begegnung mit ihm bringt Glück. Eines Tages im Winter, die Na hat war sternenklar und kalt, fuhren 2 Männer und 2 Frauen im Schlitten von Oberstreu gegen Mellrichstadt zu. Die Glocke der nahen Kirche schlug eben zwölf. Als ihr lezter Schlag verhallt war, machte das Sattelpferd ganz plötzlich einen mächtigen Satz und die Insassen sahen, daß der schwarze Hammel auf der linken Seite des Schlitten mitlief. Wie die Frau, die auf der Seite saß, im Übermut nach im griff, verschwand er, war aber gleich wieder zu sehen. Und sooft sie ihre Hand auch nach ihm ausstreckte, geschah dasselbe. Das ging so bis zur Annakapelle. Da blieb der Hammel mitten im Lauf stehen. Der Schlitten hielt, die mutige Frau stieg aus und versuchte das schwarze Tier mit seinem großen glühenden Augen vorsichtig näher zu locken. Es drehte sich aber um und mit einem unheimlichen Schrei rannte es pfeilschnell den Weg zurück.
Nach einigen Tagen erhielt die Frau, an deren Seite das Glückstier gelaufen war, die Nachricht, daß sie in der Lotterie viel Geld gewonnen hatte.
Daraufhin sind schon viele nachts zwischen 12 und 1 Uhr dem Hamme l "zu Gefallen gelaufen ", keiner aber hat ihn wieder gesehen.